Tanger/Tanger - Ceuta - Tetouan: Neuer Lebensanfang in Marokko
Auswirkungen der EU-Migrationspolitik auf subsaharische Migranten
22.11.2026 - 28.11.2026
Als Bildungsurlaub anerkannnt
in verschiedenen Bundesländern
Die Meerenge von Gibraltar ist nicht nur die bedeutendste Drehscheibe des globalen Handels, sondern damit einhergehend einer der strategisch wichtigste geopolitisch-militärische Grenzraum auf dem Erdball. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird die Meerenge zum Brennpunkt der Migration: Tausende, die von hier aus zum letzten, risikoreichen Sprung ins 14 km weit entfernte Paradies Europa ansetzen. Hunderte, die das Meer verschluckt hat. Viele, die nun an einem ungewollten Ziel ein neues Leben beginnen.
Bilaterale menschenrechtskonträre Migrationsabkommen zwischen EU und Marokko sowie die Maßnahmen von Frontex haben subsaharischen Migranten die Durchreise über die Meerenge seit einigen Jahren unmöglich gemacht. Alternative Routen oder Schlupflöcher bleiben lebensgefährlich.
Folglich stellen sich Einwanderer einer neuen Herausforderung: Marokko ist eine zwar boomende Volkswirtschaft, was seine sozialen Indikatoren, Menschenrechtskriterien oder Arbeitsrecht betrifft, sieht die Lage eher prekär aus. Dieser unwirtliche Kontext fordert von den Ankömmlingen aus Ländern südlich der Sahara ständig den höchsten Grad an Resilienz und Kreativität, um sich durchzuschlagen. So etwa die kamerunische Künstlerinitiative Shu-Mom-Arte oder das Frauen-Solidar-Projekt 100% Maman in Tanger. Auf die menschenfeindliche EU-Migrationspolitik wird mit Kunst und Kreativität reagiert. Wie oft im migrationsspezifischem Zusammenhang erweisen sich diese neuen Initiativen als innovativ und bereichernd für marokkanische Gesellschaft.
Unser Seminar eröffnet uns ein breites, differenziertes Blickfeld auf das Phänomen der subsaharischen Migration in Marokko allgemein. Wir beginnen mit dem Programmschwerpunkt Tanger, fahren in die spanische Exclave Ceuta - einschließlich Übernachtung - und enden in Tetouan, von wo wir u.a. den im nahegelegenen Küstenort Martil den Verein Conseil des Migrants Subsahariens besuchen.
Der Bildungsurlaub ist als Besuchsprojekt angelegt: Wir lernen ausgewählten Gesprächspartner:innen kennen, zumeist Vertreter:innen von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen und Nichtregierungsorganisationen aber auch der Universität, die sich für die Bedürfnisse und Interessen der Migrant:innen einsetzen, sowie Migrant:innen selbst, die von ihren Erfahrungen, Zielen und Träumen erzählen, und nicht ohne Stolz ihre neuen Lebensprojekte vorstellen.
Themenrahmen:
- Wann wird die „Durchreise“ zum Dauerzustand? Wie fällt die Entscheidung zum Neuanfang in Marokko?
- Zusammenleben vs. Integration in Marokko: ein “klassisches” Auswanderungsland wandelt sich im Zuge der Globalisierung zum “unerwarteten” Einwanderungsland. Wie empfängt das Königreich, wie seine Zivilgesellschaft die Neuankömmlinge? Wie tolerant ist der Islam gegenüber andersgläubigen Afrikanern?
- Überblick über die Lebenssituation subsaharischer Migrant:innen in Marokko allgemein, unter besonderer Berücksichtigung von Frauen und Kindern, sowie Jugendlichen ohne elterliche Fürsorge. Welche konkreten Hilfsmaßnahmen in Form von Sozialprojekten, humanitärer Hilfe, rechtlicher Beratung sowie Prävention leisten die unterschiedlichen Hilfsorganisationen und -initiativen?
- Welche Sensibilisierungsmaßnahmen und Sozialprojekte gibt es, die Begegnung, Toleranz und Respekt fördern? Die grenzübergreifende Kraft der Kunst sehen wir am Beispiel von Mal- und Kunstrecyclingprojekten für therapeutische und einkommensschaffende Zwecke.
(Der VAE unterstützt hierbei Mal-Workshops für Migrant:innen, bei denen auch die BU-Teilnehmer:innen willkommen sind. Außerdem fließen etwa 10% des Programmbudgets in Form von Spenden in die Projekte, die wir besuchen.) - Ursachenanalyse zur Migration in Afrika von der kolonialen Vergangenheit zur Gegenwart des Neokolonialismus und der aktuellen EU-Migrationspolitik; diesbezügliche politisch-historische Einordnung der spanischen Exklave Ceuta.
- Beispiele für sozio-kulturelle Bereicherung der marokkanischen Gesellschaft durch das Hineinwachsen von
- Neuankömmlingen aus afrikanischen Staaten südlich der Sahara.
Zielsetzung
Die Veranstaltung soll die geographische, sozio-politische und historische Dimension des subsaharischen Migrationsprozesses in seiner Komplexität erfahrbar machen, was beinhaltet, an Fallbeispielen persönliche und kollektive, einkommensgenerierende Kunst- und Kulturprojekte aus erster Hand kennenzulernen. Damit einhergehend strebt der BU an, interkulturellen Dialog herzustellen und Impulse für Ideenaustausch dort zu geben, wo Handlungsbedarf besteht.
Mit dieser Veranstaltung leisten wir zudem einen Beitrag zur materiellen Unterstützung der besuchten Projekte.
Wir empfehlen, den Bildungsurlaub mit einem längeren Aufenthalt oder einer Weiterreise im Land zu verbinden. Zügige und komfortable Bus- und teilweise auch Bahnverbindungen gibt es in alle marokkanischen Städte.
850,00 € (8-12 TN) Einzelzimmerzuschlag: 150,00 €
zentral gelegene kleinere Hotels in Tanger (Marmara Bay) und Tetouan (z.B. Soho), Parador Nacional in Ceuta
Mit der Bahn
Bahnanreise z.B. mit Übernachtung in Barcelona über Algeciras möglich.
Mit dem Flugzeug
zeitlich günstige Flüge bieten i.d.R. RAM und IBERIA